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„Ohne Nachdenken ist Frieden nicht zu haben“

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Eröffnung des Instituts für Frieden und Militärethik


Keine Einrichtung, kein Team kommt heutzutage ohne ein sogenanntes Mission Statement aus. Nicht anders ist es im Militär: Der Auftrag muss klar und präzise sein. Mit dem in der Überschrift zitierten Satz hat Dr. Christian Braun, der Direktor des Instituts für Frieden und Militärethik (IFME), den Anspruch an diese neue Institution der katholischen Soldatenseelsorge formuliert.


Zum festlichen Gründungakt am 9. Juni 2026 waren mehr als hundert geladene Gäste aus der Bundeswehr und anderen europäischen Streitkräften, aus den Militärseelsorgen, aus Kirche und Wissenschaft gekommen. Den Anfang bildete ein Pontifikalamt in der Kirche St. Ansgar und St. Bernhard („Kleiner Michel“), dem Dr. Franz-Josef Overbeck, Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, vorstand. Der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße konzelebrierte.


In seiner Predigt deutete der Militärbischof die beiden prägenden Begriffen im Namen des Instituts – Frieden und Militärethik – im Lichte der Bergpredigt und leitete daraus den Auftrag ab, „den Frieden weder sentimental zu verkürzen noch zynisch preiszugeben“. Es gehe, so Dr. Overbeck, „um ethische Vertiefung, die dabei unterstützt, zwischen legitimer Härte und entgrenzter Gewalt zu unterscheiden und die Zielperspektive des gerechten Friedens auch dort nicht aus dem Blick zu verlieren, wo Abschreckung, Verteidigungsfähigkeit und Kampfbereitschaft gefordert sind.“ Dies gelte sowohl in der Beratung der militärischen Führung als auch bei der Aufstellung der Militärseelsorge als Instrument einer moralischen und institutionellen Resilienz.



Beim anschließenden Festakt in den Räumen der Katholischen Akademie wurde diese Vision in vielfältiger Weise ausbuchstabiert. Generalmajor Ansgar Meyer, Kommandeur des Zentrums Innere Führung in Koblenz, verwies in seinem Grußwort ausdrücklich auf die Bedeutung ethischer Orientierung für Soldatinnen und Soldaten in der „Zeitenwende“. Das IFME kann dabei auf einem in jahrelanger Arbeit gelegten Fundament aufbauen, denn das Institut für Theologie und Frieden (ithf) und das Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis) gehen im IFME auf. Dr. Overbeck bedankte sich herzlich bei Prof. Heinz-Gerhard Justenhoven, dem ehemaligen Direktor des ithf, für seine Verdienste um die Ausformulierung einer theologisch fundierten Friedensethik, die sich stets am Ziel der Gewaltüberwindung orientiert. Ebenfalls mit herzlichem Dank verabschiedet wurde Dr. Veronika Bock, die als Gründungsdirektorin des zebis die Entwicklung vielfältiger Formate für die ethische Bildung in den Streitkräften verantwortet hat. Als stellvertretende Direktorin des IFME wird sie ihre friedensethische und pädagogische Kompetenz weiter einbringen.



Eine neue Ausrichtung


Aktualität, Relevanz und entsprechende neue Kommunikationsformate: Diese Ziele formulierte Dr. Braun in seiner Eröffnungsrede und machte dabei deutlich, wie er das IFME ausrichten und weiterentwickeln will. Die katholische Friedenslehre bleibe die unveränderliche Basis; zugleich gelte es, neue Akzente zu setzen. „Wir werden interdisziplinärer als früher arbeiten und uns stärker international vernetzen“, so Braun. Auch unbequeme Fragen zu stellen und ebensolche Antworten zu geben gehöre dazu.


In den folgenden Keynotes zeigte sich, was damit gemeint ist. Prof. Gregory Reichberg vom Peace Research Institute Oslo legte mit Bezug auf Thomas von Aquin und den Philosophen Jacques Maritain dar, dass Frieden nur in einer angemessenen Ordnung errungen werden kann, in der konstruktiven Mitteln wie Annäherung, Dialog, Verständigung Vorrang vor Zwangsmitteln und militärischer Gewalt eingeräumt wird. Das aktuelle Beispiel des Irankriegs diente ihm dabei als Kontrastfolie.



Prof. Beatrice Heuser, Expertin für Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr, zeichnete nicht nur die Entwicklung des völkerrechtlich verankerten Schutzes von Nichtkombattanten nach, sondern fragte auch, ob die zugrunde liegende pauschale Unschuldsvermutung zu halten sei. In der Klärung von komplexen Fragen solcher Tragweite sieht sie als eine mögliche Aufgabe für das IFME.


Die anschließende Podiumsdiskussion mit Dr. Overbeck und den beiden Keynote-Speakern erweiterte dieses Spektrum um weitere aktuelle friedensethische Fragen, etwa zur Rolle von KI. Am Ende stand damit auch eine beeindruckende Liste möglicher Projekte, Ansprechpartner und Zielvorstellungen für das IFME. Doch bei allem Ernst und Anspruch wurde die Feier zugleich von einer humorvollen, zuversichtlichen Stimmung geprägt. Frieden durch Nachdenken zu festigen, ist keine unlösbare Aufgabe.


Unser Dank gilt allen Gästen und allen anderen, die das IFME und seine Mitarbeitenden bei diesem Auftrag unterstützen.

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