Forschungsprojekt: Syrische Christinnen als mögliche Vermittlerinnen in Syrien
Das Forschungsprojekt untersucht, welche Rolle christliche Akteure im gesellschaftlichen Neuaufbau Syriens spielen können und unter welchen Bedingungen sie zur innergesellschaftlichen Verständigung beitragen. Diese Forschungsfrage basiert auf Anfragen der Übergangsregierung an katholische Ordensgemeinschaften in Syrien bezüglich einer Vermittlungstätigkeit, die von der Übergangsregierung erhalten.
Ausgangspunkt ist zudem die Beobachtung, dass politische Stabilisierung nicht automatisch zu gesellschaftlicher Befriedung führt. Dies gilt besonders, wenn Erstere mit militärischer Gewalt durchgesetzt wurde, wie dies zum Teil in Syrien in den Gebieten ethnischer und religiöser Minderheiten geschehen ist. Nachhaltige Friedensprozesse setzen vielmehr Akteure voraus, die Vertrauen zwischen unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen und tragen können.
Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts besteht in einer differenzierten Analyse christlicher Akteure in Syrien. Untersucht werden verschiedene Konfessionen – darunter syrisch-orthodoxe, syrisch-katholische, maronitische, griechisch-orthodoxe und assyrische Gemeinschaften – ebenso wie unterschiedliche Akteursgruppen: kirchliche Hierarchien, Ordensgemeinschaften sowie christlich geprägte zivilgesellschaftliche Initiativen.
Das Projekt geht davon aus, dass Vermittlungsfähigkeit nicht allein aus religiöser Zugehörigkeit erwächst, sondern aus konkreten sozialen, politischen und institutionellen Konstellationen. Entscheidend ist insbesondere gesellschaftliche Wahrnehmung, die sich auch aus dem Verhältnis einzelner Personen, Gruppierungen und Institutionen zum Assad-Regime ergibt. Wichtig sind zudem Handlungsspielräume, Netzwerke und Formen der Einbindung in lokale und nationale Strukturen.
Methodisch basiert das Projekt auf einer qualitativen Feldanalyse. In leitfadengestützten Interviews mit christlichen Akteuren, Angehörigen verschiedener Ethnien und Religionen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung werden Wahrnehmungen, Erwartungen und Handlungsmöglichkeiten systematisch erfasst und vergleichend ausgewertet.
Ziel des Projekts ist es, eine realistische Einschätzung der Rolle christlicher Akteure zu gewinnen und daraus tragfähige Handlungsoptionen für politische und kirchliche Entscheidungsträger zu entwickeln. Die Ergebnisse werden unter anderem in Form eines Policy Papers und einer kompakten Entscheidungsgrundlage aufbereitet.
Damit leistet das Projekt einen Beitrag dazu, religiöse Dynamiken im syrischen Kontext differenziert zu verstehen und Potenziale für Verständigung und Friedensgewinnung gezielt nutzbar zu machen.