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IFME bei der Jahresakademie des Albertus-Magnus-Programms

8. Okt.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Okt.

Welche Rolle spielen Religion und Kirche im Krieg? Darüber sprach Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Direktor des IFME, vor Stipendiatinnen und Stipendiaten aus aller Welt an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Die Jahresakademie 2026 des Theologischen Stipendienprogramms Albertus Magnus stand unter dem Thema „Die katholische Kirche und ihre Rolle in der Kriegssituation“. Nach dem Vortrag von Dr. Jörg Lüer (Deutsche Kommission Justitia et Pax) zur katholischen Friedenslehre und -praxis sprach Dr. Jochen Reidegeld am 30. September in der Aula der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen zum Thema „Zwischen den Fronten und über sie hinaus – Religion und Kirche im Krieg“.

Ausgangspunkt waren eigene Erfahrungen aus dem Nordirak und Nordostsyrien. Der Völkermord an den Ezidinnen und Eziden und das Lager al-Hol stehen dort für das Gesicht religiös aufgeladener Gewalt. Reidegeld zeigte, warum religiös motivierter Hass so wirksam ist: Er reicht in tiefe Schichten der menschlichen Psyche und lässt sich deshalb leicht politisch instrumentalisieren. Wer Interessenkonflikte religiös auflädt, macht aus ihnen einen Kampf zwischen Gut und Böse. Daraus folgt für ihn die erste Aufgabe von Religion und Kirche in Kriegsgebieten. Sie müssen die eigene Botschaft und ihre Trägerinnen und Träger gegen Instrumentalisierung für Gewalt und Extremismus immunisieren. Der bloße Hinweis, Gewalt habe mit der eigenen Religion nichts zu tun, reicht dafür nicht aus.

Religion ist aber nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil möglicher Lösungen. Die Kirche kann auf vielen Ebenen wirken, von humanitärer Hilfe und Seelsorge über Vermittlung und Brückenbau bis zur Militärseelsorge und Militärethik. Reidegeld stellte den Ansatz des IFME zur religiösen Friedensgewinnung vor, der Spiritualität, Dialog und gemeinsames Handeln (Diapraxis) verbindet. Außerdem gab er Einblick in das Forschungsprojekt des IFME zur Rolle christlicher Akteure als Vermittler in Syrien. Beispiele wie die abrahamitische Gastfreundschaft des Klosters Mar Musa in Syrien oder die Arbeit der Rabbis for Human Rights in Israel zeigten, worin der Auftrag der Religionen im Krieg besteht: Friedensoptionen offenzuhalten und die Logik des Traumas zu durchbrechen. Am Schluss stand ein Wort von Papst Franziskus: „Lassen wir uns von den Wunden der Anderen berühren.“

Die anschließende Diskussion war ausgesprochen lebhaft. Ihre Qualität verdankte sie nicht zuletzt der internationalen Zusammensetzung des Publikums. Nicht wenige Stipendiatinnen und Stipendiaten stammen aus Regionen, die von militärischen Auseinandersetzungen geprägt sind, und brachten diese Erfahrungen in das Gespräch ein.



Dr. Jochen Reidegeld am Rednerpult

Zum Hintergrund: Das Theologische Stipendienprogramm Albertus Magnus wurde von der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Es ermöglicht Theologinnen und Theologen, vor allem Priestern und Ordensleuten aus Afrika, Asien, Ozeanien, Lateinamerika und Osteuropa, ein Aufbaustudium in Deutschland. Organisiert wird es vom Institut für Weltkirche und Mission (IWM) an der Hochschule Sankt Georgen.



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